weltverbesserer
gestern saß ich im büro rum an einer total wichtigen aufgabe und da hör ich doch unverkennbar vom hausvogteiplatz eine quäkende studentenstimme, die immerzu “wir sind gegen: … (an dieser stelle kann man jetzt irgendeine beliebigkeit einsetzen, die in ein pseudolinkes und zwanghaft weltverbesserisches spektrum passt) ” skandiert .
mann , ok, also hab ich das fenster zugemacht.
nach der arbeit wollte ich noch nach “the day the earth stood still” bei dussmann schauen und bin zur friedrichstr gewatschelt. da standen die berufsrevoluzzer schon wieder mit ihren megaphonen und kamen sich selten intelligent, aufrührerisch und witzig vor. leider trafen all diese eigenschaften irgendwie nicht zu, stellte ich fest.
worum gings? studiengebühren, bessere studienmöglichkeiten etc.
dagegen ist ja erstmal nix einzuwenden, aber dann gings gleich weiter mit hartz IV, der wirtschaftlichen situation in den entwicklungsländern, george w. bush, etc ,also dem klassischen studentischen antiglobalisierungsrundumschlag vermischt mit ner tüchtigen portion antiamerikanismus.
von diesen hirnis hat sich keiner auch nur im ansatz mal überlegt, dass es sinnvoller wäre für ihre vornehmlichen ziele (bessere universitäre bedingungen), auf schlaue hinweise zum rest obengenannter themen zu verzichten und sich stattdessen nur zu einigen wenigen dingen zu äußern, aber dafür kompetent.
das ist so ein phänomen, dass mir bereits vor 1 1/2 jahren beim uni-streik aufgefallen ist. statt sich auf die eigenen ziele zu konzentrieren, muss weltrevolution gespielt werden. das ging teilweise soweit, dass mir eine studentin erklären wollte, dass wenn die arbeiter sich mit den streikenden studenten zusammenschlössen…bla bla bla…
history teaches nuthin’ ..
die darstellung der meisten studenten nach aussen ist einfach ne katastrophe. und das sag ich jetzt nicht nur als (hoffentlich) bald ehemaliger student der publizistik. aber im ernst, wer hört denn solchen leuten zu, die permanent nur was von weltverbesserung schwallen, statt konkret an bestimmten problemen mitzuarbeiten, die es ja tatsächlich gibt.
wer hört denn studenten zu, die streiken? seit wann sind unis produzierende betriebe? das interessiert doch keine sau und schon gar nicht, den arbeiter, der morgens um 6 schuften geht.
naja und so waren auch gestern ungefähr schlappe 5 leute um die querulanten studis versammelt und lauschtem dem propagandistischen gebrabbel. sollte das ne einstimmung auf den 1. mai sein?
whatever.
ich denke, es gibt n haufen wege dinge zu verändern, die scheisse sind und man muss dazu nicht auf ideenlose konzepte aus dem 19. jahrhundert zurückgreifen, so wie viele das tun.
und vor allem, leute, redet verständlich, präsentiert euch nach aussen hin nicht wie ne gruppe viertklässler auf klassenfahrt. provokation ist ne feine sache. wenn man 16 ist. aber mit mitte/anfang 20 sollte man doch mal langsam gerafft haben, dass einem nicht zugehört wird, wenn man mit ner bierflasche in der hand, irgendeinen schwachsinn skandiert.
das ist wie mit den hippies in spanien. die glauben, dass sie der welt einen gefallen tun, wenn sie “fuer die umwelt” und “gegen den krieg” sind… viele andere haben diese einstellung ja auch… oder nicht sogar alle? (vom waffenproduzierenden gewerbe mal abgesehen)
klingt ein bischen wie “zukunft fuer alle!”.
das mit dem antiamerikanismus ist ein wenig, wie “gegen die kirche” zu sein… naemlich schoen einfach. bzw. weil sie wahrscheinlich von keinem anderen land genug wissen, um “dagegen” zu sein. billiger “content” sozusagen…
zB. darueber das es in afrika teils den glauben gibt, das sex mit einer jungfrau aids heilt und deswegen lauter minderjaehrige vergewaltigt werden regt sich keiner auf, aber ueber die “schlimme” kirche.
viele male hat man den eindruck eine solche meinung diene nur der positionierung.. die regen sich ja regelrecht auf, wenn man die guten seiten amerikas oder der kirche erwaehnt.
und nochmal zu den armen arbeitern; die werden nicht dadurch reicher dass sie ueber ihre steuern die studienkosten aller studenten mitfinanzieren.